Österreich

Täter, Taten, Motive:
von Loyalität zu Kriminalität

 

Warum Narzissten das Betriebsklima vergiften können und wie angebrachtes Lob die Mitarbeiter-Seele im Gleichgewicht hält – eine Keynote von Dr. Adelheid Kastner.

 

 

CIS-Newsletter Juni 2016 - Ein Highlight des “12. Information-Security-Symposiums“ bot Keyspeakerin und Bestseller-Autorin Dr. Adelheid Kastner. Die Fachärztin für forensische Psychiatrie beleuchtete „Innenwelten“ Portrait Kastner_Copyrightvon Tätern zwischen Loyalität und Kriminalität. In kompakten 30 Minuten gestaltete dieVortragende einen höchst informativen Ausflug in die Basis-Prinzipien der menschlichen Psyche und erklärte beispielhaft wie es auch bei „normalen“ Mitarbeitern zu Gewaltbereitschaft oder zu schädigendem Verhalten der Firma gegenüber kommen kann – und wie einige Anzeichen dafür frühzeitig erkennbar sind. „Während wir die zunehmende Individualisierung als gesellschaftlichen Fortschritt feiern und Selbsterkenntnis pflegen, stehen wir immer wieder entsetzt vor der Kehrseite dieser Entwicklung: vor Menschen, die aus einer höchst persönlichen und als unerträglich empfundenen beruflichen Niederlage die Berechtigung ableiten, andere vermeintlich Verantwortliche für ihr fehlendes Reüssieren zu bestrafen und am Betrieb oder an Vorgesetzten Rache zu nehmen – für das Scheitern der eigenen Karriereplanung“, leitete die bekannte Gerichtspsychiaterin ihre spannende Präsentation ein.

 

Basic Beliefs – Stein des Anstoßes
In diesem Zusammenhang wies Dr. Adelheid Kastner auf jene Basic Beliefs hin, die jeder Mensch in sich trägt – und deren grobe Verletzung nachhaltig negative Folgen haben kann. Ein klassischer Glaubenssatz wäre zum Beispiel: „Wenn ich gute Arbeit leiste und engagiert bin, möchte ich Anerkennung bekommen und langfristig befördert werden oder zumindest mehr verdienen.“ Ein weiterer könnte lauten: „Wenn ich verletzt werde, habe ich das Recht mich zu wehren.“ Werden solche Glaubensgrundsätze verletzt, indem etwa keinerlei Anerkennung für gute Leistungen erfolgt, so hat die menschliche Psyche das Bedürfnis, diese Verletzung der inneren Werte zu neutralisieren. Ein normal veranlagter und stabiler Mensch kann solche Niederlagen gedanklich verarbeiten. Eine mögliche Reaktion wäre: „Typisch für große Firmen, dass man nur eine Nummer ist. Meinen Freunden geht es auch nicht anders. Hauptsache ich habe nette Kollegen und dem Chef kann ich aus dem Weg gehen.“


Kommen allerdings zu dieser Art Enttäuschung zusätzliche Belastungen hinzu wie Kränkungen durch Kollegen, Scheidung, Kreditprobleme oder Schicksalsschläge, kann die Reaktion weitaus heftiger und unkontrolliert ausfallen. Auch bei bestimmten Persönlichkeitstypen wie Narzissten können cover - rotVerletzungen ihrer Glaubensgrundsätze zu unerwarteten Überreaktionen führen. Egozentriker wollen zwar niemals sich selbst schaden, aber sehr wohl anderen, weil sie sich allzu leicht von anderen verletzt fühlen. Aus Sicht der Informationssicherheit wäre es also durchaus sinnvoll, für bestimmte Positionen gewisse Persönlichkeitstypen zu meiden. Freimütig brachte Dr. Adelheid Kastner ihre Meinung dazu auf den Punkt: „Einen Narzissten würde ich nicht einstellen. Sie sind sehr charmant und können sich gut verkaufen. Aber es ist zur Vorsicht zu raten, wenn sich jemand selbst zu gut präsentiert. Denn Narzissten sind schon durch Kleinigkeiten äußerst kränkbar und ihre Wut kann vernichtende Ausmaße annehmen. Typischerweise sind es auch Narzissten, die Kollegen in suberversives Verhalten drängen und damit das Betriebsklima vergiften können.“

 

Früherkennung von Gewaltbereitschaft
Bei der Früherkennung von gewaltbereiten Mitarbeitern verwies die Vortragende auf die generellen Eskalationsstufen für Konflikte: Auf der Stufe 1 ist die Reaktion des „Opfers“ ein „verdeckt subversives Verhalten“. Zum Beispiel: Hinter dem Rücken schlecht reden und sich dadurch Luft verschaffen. Wenn also auffällig viel über Teamleiter und andere Führungskräfte getuschelt wird, könnte dies möglicherweise in mangelnder Anerkennung der erbrachten Mitarbeiterleistungen und ähnlichen Ursachen wurzeln, deutete die Psychiaterin typische Situationen in der Berufswelt. Auf Stufe 2 möchte das „Opfer“ bereits jemand anderen schädigen. Die Bandbreite der Reaktionen reicht von Mocover-schuld-schwbbing bis hin zu offenen Drohungen. Auf der Stufe 3 ist das „Opfer“ auch bereit, nicht nur den Gegner, sondern dabei auch sich selbst zu schädigen. Ein typisches Beispiel ist ein Amokläufer, der sich danach selbst richtet. Interessant: Täter kündigen ihre Taten zuvor fast immer an, allerdings werden ihre Aussagen wie „Ihr werdet schon sehen, wozu ich fähig bin“ oder „ich habe nichts mehr zu verlieren“ und ähnliches von der Umgebung meist zu wenig ernst genommen.

 

Als simple aber effektive Vermeidungsstrategie gegen Mitarbeiterkränkungen empfahl Dr. Adelheid Kastner: „Loben Sie Ihre Mitarbeiter, wann immer es angebracht ist. Lob ist die preiswerteste Form der Belohnung. Lob ist für uns Menschen sehr wichtig. Wir bekommen gerne positive Rückmeldungen, das macht uns glücklich. Es gibt kein kostengünstigeres Motivationsprogramm.“ Auf die Publikumsfrage, ob bei Einstellungsgesprächen eventuell auch die Verwendung von  Persönlichkeitstests ratsam wäre, um gewaltbereite Menschentypen frühzeitig zu erkennen, warnt die Psychiaterin: „Die Testfragen sind für die Testpersonen meist zu leicht durchschaubar und die Ergebnisse deshalb kaum ernst zu nehmen.“ So riet sie pointiert dazu, anstatt „einfältige“ Testverfahren einzusetzen wäre es weitaus besser, sich auf die eigene Erfahrung und eine gute Portion Bauchgefühl zu verlassen.

 

Feedback
Das Interesse des Publikums an diesem stets aktuellen Thema war groß. Einer der Besucher gab ein treffendes Feedback zu dem für die IT-Szene außergewöhnlichen Vortrag: „Sehr interessante Inhalte – das müsste man vielen Managern ins Stammbuch schreiben. Eigentlich versuchen wir als Information-Security-Beauftragte mit technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen auch so manches Defizit des Managements auszugleichen.“

 

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